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Sie folgen dabei dem Beispiel Jesu. Auch er predigte Menschen, die ihre eigene religiöse Überzeugung hatten, welche aber in mancher Hinsicht vom Wort Gottes abwichen (Matthäus 15:1-9). Er gab den Auftrag der Verkündigung an seine Jünger weiter (Matthäus 28:19, 20). Weil es so wichtig ist, einen Glauben zu haben, der mit Gottes Wort übereinstimmt, ist die Erfüllung dieses Auftrags ein Zeichen von Nächstenliebe. Natürlich respektieren Jehovas Zeugen dabei die Glaubensansichten ihrer Mitmenschen und sind sich der Tatsache bewusst, dass die Vielfalt religiöser Vorstellungen zu akzeptieren ist, was sie freilich nicht daran hindert, in friedlicher Weise über ihren eigenen Glauben und die Gründe für ihre Hoffnung zu sprechen.

Der Rechtsstaat und das Demokratieprinzip werden von Jehovas Zeugen in vollem Umfang anerkannt. Sie sehen demokratisch gewählte Staatsorgane ohne Vorbehalte als legitimiert an, als von Gott angeordnete Gewalten zu amten (Römer 13:1-7). Dadurch werden politische Wahlen von ihnen als Legitimationsgrundlage für die Ausübung politischer Gewalt anerkannt. Wie manche andere Einzelpersonen oder Organisationen mögen Jehovas Zeugen nicht alle verfassungsmäßigen Rechte in Anspruch nehmen. Dabei ist zu bedenken, dass eine Demokratie nicht ausschließlich vom Mitreden lebt, sondern vor allem auch dadurch, dass die Bürger bereit sind, die Entscheidungen der Mehrheit anzuerkennen und an deren Umsetzung mitzuwirken. In Übereinstimmung damit sind Jehovas Zeugen als gesetzestreue Bürger bekannt, die ihre staatsbürgerlichen Pflichten ernst nehmen, mit Behörden und Staatsorganen zusammenarbeiten und ehrliche Steuerzahler sind. Jehovas Zeugen bemühen sich darüber hinaus, auch Wertschätzung für die im Staat geltenden Freiheiten und Menschenrechte durch Kooperation zu zeigen, wo immer ihnen diese möglich und staatlicherseits erwünscht ist.

Wenn Jehovas Zeugen lehren, dass Gott in Zukunft die Dinge auf der Erde verändern wird, so glauben sie dennoch in keiner Weise, selbst gegen bestehende gesellschaftliche Ordnungen vorgehen zu müssen. Sie unterscheiden sich somit von sogenannten „fundamentalistischen“ Glaubensrichtungen, die eine Verwirklichung ihrer Vorstellungen im Hier und Jetzt anstreben und dabei nicht selten zu Gewalt greifen. Dadurch, dass Jehovas Zeugen nicht politisch aktiv sind, vermeiden sie Probleme, die dann auftreten, wenn bestimmte religiöse Vorstellungen anderen Menschen aufgedrängt werden, was gegenwärtig in vielen Teilen der Erde zu Spannungen führt.

In der Bibel heißt es: „Die ganze Welt liegt in der Macht dessen, der böse ist“ (1. Johannes 5:19). Als Christen können wir diesen Bibeltext nicht außer Acht lassen. Und jeder, der die Welt realistisch betrachtet – mit ihrer weit verbreiteten Ungerechtigkeit, ihrer extremen Armut, ihren Verbrechen, ihren Kriegen, ihrem ethnischen und religiösen Hass –, muss folgern, dass sie mehr Beweise für Satans Einfluss erkennen lässt als für den Einfluss Gottes. Doch bei der Beschreibung dieser allgemeinen Situation wird weder vonseiten der Bibel noch vonseiten der Zeugen Jehovas Bezug auf bestimmte Personen genommen.

Das ist deshalb der Fall, weil die Bibel Christen gebietet, ’Blut zu meiden‘ (Apostelgeschichte 15:29, Einheitsübersetzung). Jehovas Zeugen bemühen sich um die bestmögliche medizinische Behandlung für sich selbst und für ihre Kinder. Bei der Ablehnung von Bluttransfusionen machen sie von ihrem Recht Gebrauch, eine medizinische Behandlungsmethode ihrer Wahl zu erhalten. Sie sind dankbar, dass viele Ärzte weltweit bereit sind, ihren Standpunkt zu respektieren und sich die medizinischen Alternativen zu Blut zunutze machen, die heute zur Verfügung stehen. Jehovas Zeugen wurden schon unter beinahe allen erdenklichen Umständen erfolgreich ohne Blut behandelt. Prof. Dr. med. Benno von Bormann, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Operative Intensivmedizin und Schmerztherapie St. Johannes-Hospital, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Düsseldorf, Duisburg, hält fest: „Ob geplanter Großeingriff, Transplantation, dramatischer Notfall, Chemotherapie oder langwieriger Intensivverlauf: Die Morbiditäts- und die Mortalitätsdaten der Zeugen Jehovas sind mit denen der anderen (transfundierten) Patienten vergleichbar“ (Anaesthesist 2007; 56:380-384). Dadurch sind ihnen die Komplikationen erspart geblieben, die die Verwendung von Spenderblut mit sich bringt, und sie haben einen konstruktiven Beitrag dazu geleistet, die Mediziner dabei zu unterstützen, die Verwendung von Blut einzuschränken.

Die Entscheidung, kein Zeuge Jehovas mehr zu sein, wird in jedem Fall voll respektiert. Es wird keinerlei Druck ausgeübt, um jemand, der eine solche Entscheidung getroffen hat, umzustimmen. Jehovas Zeugen halten sich an das biblische Gebot aus 1. Korinther 5 Vers 11, keinen Umgang mehr mit einer solchen Person zu haben. Das heißt jedoch nicht, dass die Familienbande aufgelöst werden. Die übliche menschliche Hilfe wird den Betreffenden weiterhin geleistet. Ehemalige Zeugen Jehovas können die gottesdienstlichen Zusammenkünfte besuchen. In gewissen Abständen bieten die örtlichen Ältesten denjenigen, die mit einem Besuch einverstanden sind, geistliche Hilfe zur Rückkehr in die Religionsgemeinschaft an.

Jehovas Zeugen sehen in Ehe und Familie die wesentlichen Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens. Da sie die Bibel als praktische und zuverlässige Anleitung für das Familienleben akzeptieren, untersucht die Religionsgemeinschaft den Rat aus der Bibel, um mit Hilfe ihrer Veröffentlichungen zur Stärkung der Familienbande und zum Zusammenhalt in der Ehe beizutragen. Vom Standpunkt der Bibel aus sind in erster Linie die Eltern für die Erziehung der Kinder verantwortlich. Die Religionsgemeinschaft gibt ihren Mitgliedern, die Eltern sind, die biblische Empfehlung, ein gutes Beispiel zu geben, für ihre Kinder Liebe, Zeit und Interesse zu haben und die Harmonie in der Familie zu fördern. Sie ermuntert des Weiteren dazu, Kinder unter Vermittlung christlicher Werte zur Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit zu erziehen. Im Gegensatz zu der in vielen Kirchen üblichen Mitgliedschaft durch die Kindertaufe, gibt es bei Jehovas Zeugen keinen Erwerb der Mitgliedschaft von Kindern durch eine elterliche Entscheidung. Erst wenn ein Heranwachsender seine eigene Entscheidung gemäß seiner Gewissensüberzeugung hinsichtlich der gesamten Lehre der Religionsgemeinschaft getroffen hat, kann er ihr Mitglied werden. Biblische Grundsätze anzuwenden, führt bei Jehovas Zeugen zu bemerkenswert stabilen Ehen und harmonischen Familien.

Jehovas Zeugen glauben, dass der Planet Erde für immer bestehen bleiben wird. In der Bibel heißt es: „Eine Generation geht, eine andere kommt. Die Erde steht in Ewigkeit“ (Prediger 1:4; Einheitsübersetzung). Der Begriff „Welt“ wird in der Heiligen Schrift oft im Sinne von Menschenwelt verwendet, wie beispielsweise in 1. Johannes 2:17, wo es heißt: „Die Welt vergeht und ebenso ihre Begierde, wer aber den Willen Gottes tut, bleibt immerdar.“ Menschen die Gottes Willen tun wird verheißen, dass Gott „jede Träne von ihren Augen abwischen [wird], und der Tod wird nicht mehr sein, noch wird Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz mehr sein. Die früheren Dinge sind vergangen“ (Offenbarung 21:4). Gestützt auf biblische Prophezeiungen glauben Jehovas Zeugen, dass die Zeit für diese Änderung nahe ist. Aber sie sind sich auch der Worte Jesu bewusst, dass ‘niemand Tag und Stunde kennt’. Daher können weder Jehovas Zeugen noch sonst irgendjemand genau bestimmen, wann diese Zeit kommen wird (Matthäus 24:36; Markus 13:32).

Nein. Millionen Menschen, die in vergangenen Jahrhunderten lebten und die keine Zeugen Jehovas waren, werden auferstehen und die Gelegenheit erhalten, Leben zu erlangen. Viele von denen, die heute leben, mögen noch vor der „großen Drangsal“ für Wahrheit und Gerechtigkeit eintreten, und auch sie werden gerettet werden. Außerdem sagte Jesus, dass wir einander nicht richten sollten. Wir sehen nur das Äußere; Gott aber sieht das Herz. Er kann alles genau beurteilen und ist ein barmherziger Richter. Er hat das Gericht Jesus Christus übertragen, nicht uns (Matthäus 7:1-5; 24:21; 25:31).
 
   
 
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